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'''Sperrholz''' ist ein weit verbreiteter Holzwerkstoff mit hoher Festigkeit und Formstabilität mit Anwendungen u. a. im Bau und der Möbelindustrie. Es besteht aus mindestens drei Holzlagen, deren Faserverlauf unter einem Winkel von 90° verleimt und gepresst wird. Dadurch werden richtungsgebundene Werkstoffeigenschaften wie z. B. das Quell- und Schwindverhalten über die Plattenebene homogenisiert, der entstandene Werkstoff ?arbeitet? im Gegensatz zu Massivholz nicht mehr nennenswert, das Holz ist ?abgesperrt?. Durch die Art, Anzahl und Anordnung der Holzlagen ergeben sich der Plattenaufbau und seine spezifischen Festigkeitseigenschaften.

Sperrholzarten

Die Lagen des Sperrholzes können aus Massivholztafeln, Furnieren, Stäben oder anderen Holzwerkstoffen bestehen. Je nachdem wird unterschieden nach
  • , auch '''Tischlerplatte''' genannt, besteht aus einer Mittellage aus gesägten Vollholzleisten (Stäben) oder Schälfurnierstreifen (Stäbchen).
  • Furniersperrholz, auch '''Furnierplatte''' genannt, besteht ausschließlich aus einer ungeraden Anzahl an Furnieren, die symmetrisch zur Furniermittellage kreuzweise verleimt werden. Eine Platte über 12 mm Dicke und mit mindestens fünf Lagen wird als Multiplex-Platte bezeichnet.
  • Brettsperrholz, auch '''Kreuzlagenholz''' genannt, besteht aus mehreren, über Kreuz flach übereinanderliegenden Massivholztafeln. Konstruktionen aus Brettsperrholz zählen zu den Massivholzbauweisen.
  • '''Zusammengesetztes Sperrholz''' besteht aus einer oder mehreren Innenlagen anderer Holzwerkstoffe wie Spanplatten oder nicht holzhaltigen Materialien wie Kunststoffschichten, beispielsweise zur Schalldämmung. Die Außenlagen bestehen aus Furnier.
  • Geringere Bedeutung in der Praxis haben Sonderformen wie '''Diagonal- und Sternholz'''. Bei Diagonalholz wechselt der Faserverlauf der Furniere bezogen auf eine Bezugskante zwischen 45 und 135 Grad. Die Furniere sind mit dem Faserverlauf somit diagonal ausgerichtet, behalten zueinander aber die kreuzweise Verlegung bei. Von Sternholz spricht man, wenn sich die Furnierlagen von Blatt zu Blatt in einem Winkel zwischen 15 und 45 Grad verschieben.

Bei Furnierschichtholz werden die Furnierlagen demgegenüber parallel zueinander verleimt, so dass die Festigkeitseigenschaften stärker von der Richtung der Belastung abhängen, als bei Sperrholz.

Geschichte

Vor 4000 Jahren wurden bereits in Ägypten Platten in gesperrter Art für den Möbelbau hergestellt. Dies hatte mehrere Gründe: Zum einen waren große Bäume und verwertbare Stämme im Wüstenland Ägypten selten, Furnier ermöglichte ein dennoch gleichmäßiges und edles Aussehen der Möbel. Zum anderen gleicht die gesperrte Bauweise das Bewegungsverhalten des Werkstoffes Holz durch Quellen und Schwinden aus. Der Grundgedanke war, mehrere Lagen von Holzfurnieren wechselseitig so zu verleimen, dass die Faserrichtungen aufeinanderfolgender Lagen rechtwinklig zueinander verlaufen. So sperren sich die Holzfurniere in ihrem Bewegungsverhalten gegenseitig ab. Daher der Name ?Sperrholz?.

Nachdem das Verfahren in Vergessenheit geraten war, wurde es in der Mitte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt: Die Idee der Absperrung griffen Holztechniker um das Jahr 1860 auf und sie entwickelten den neuen Werkstoff Sperrholz. Die weltweit erste Sperrholz-Fabrik gründete Bruno Harras im Jahre 1858 in . Durch die schnelle Übernahme in industrielle Fertigung wurde Sperrholz wichtiger Werkstoff für das Holzhandwerk, in der Möbelherstellung und dem Fahrzeug- und Flugzeugbau.

Herstellung

Für nahezu alle Sperrholzarten werden getrocknete Holzlagen beleimt, kreuzweise (biaxial) übereinander gelegt und unter Wärmeeinwirkung gepresst. Spezialpressen ermöglichen die Herstellung beliebiger Formen ? hier kommen überwiegend Buchenschälfurniere zum Einsatz.

Als Rohmaterialien lassen sich zahlreiche Holzarten verwenden. Entscheidend ist neben der Verfügbarkeit des Holzes eine gute Schälbarkeit. Zur Sperrholzherstellung eignen sich die heimischen Laubholzarten Buche, Birke und Pappel, daneben Ahorn, Eiche, Esche und Linde. Als Nadelhölzer werden vor allem Fichte und Kiefer eingesetzt. Bekannte und geeignete außereuropäische Holzarten sind Okoumé, Limba, Abachi und Fuma/Ceiba. Die meisten Sperrhölzer werden aus Furnieren einer Holzart hergestellt, doch gibt es auch Kombiprodukte.

Im Detail unterscheiden sich die Sperrholzarten im Aufbau:

Für '''Furniersperrholz''' werden Furniere mit einer Dicke zwischen 0,8 und 4 mm technisch getrocknet, beleimt und zu entsprechenden Furnierrohlingen gelegt. Je nach Zahl und Dicke der Furniere werden die Furniersperrhölzer zwischen wenigen Millimetern und mehreren Zentimetern stark. Die Endfertigung des Furniersperrholzes erfolgt in Pressen bei hohem Druck und Presstemperaturen von etwa 150 °C. Nach dem Abkühlen wird es besäumt, geschliffen und auf das gewünschte Endmaß zugeschnitten.

Die Herstellung von Formsperrholz ist im Grunde ähnlich, doch werden die beleimten Furniere in sogenannten Gesenken in eine dauerhafte dreidimensionale Form gebracht. Bereits das Legen entscheidet über das spätere Eigenschaftsprofil. Sind formstabile, steife Formteile gefragt, zum Beispiel Sitzschalen, so verlegt und verpresst man die Furniere kreuzweise, wie bei Furniersperrholz üblich. Für die sogenannten Freischwinger ist hingegen eine hohe Zugfestigkeit wichtig, deshalb werden dafür die Furnierlagen mit paralleler Faserrichtung angeordnet (Furnierschichtholz). Besonders intelligente Stuhlkonstruktionen verbinden beide Legeprinzipien miteinander.

Bei der Herstellung von Stabsperrholz wird zunächst eine Mittellage aus in der Regel 24 bis 30 mm breiten Holzstegen (?Stäbe?) gelegt und mit Leim verbunden oder geheftet. Die Mittellage wird beim Stab- bzw. Stäbchensperrholz beidseitig mit einem Furnier kreuzweise verleimt. Beim Stäbchensperrholz besteht die Mittellage aus bis etwa 8 mm dicken, hochkant zur Plattenebene stehenden Schälfurnierstreifen. Damit ergeben sich in der Mittellage durchweg stehende Jahresringe, was zu einem besonders guten Stehvermögen und hoher Oberflächenruhe führt.

Verwendung

Rein optisch ist Sperrholz unter den Holzwerkstoffen dem Vollholz am ähnlichsten. Seine rund 150-jährige industrielle Geschichte hat es zum ausgereiften Material werden lassen, das Designer und Konstrukteure häufig verwenden. Insbesondere dort, wo trotz hoher Belastung dünne Querschnitte gefordert sind, wird Sperrholz eingesetzt. Sperrholz ist, was die Festigkeit und Formstabilität betrifft, gegenüber der Spanplatte klar im Vorteil.

Für Sperrholz gibt es eine breite Anwendungspalette:

'''Fahrzeugbau, Transport und Verkehr:''' Sperrholzplatten werden für Boden- und Wandsysteme im Fahrzeugausbau und Anhängerbau eingesetzt. Die Platten kommen vor allem in den Bereichen Laderaumschutzböden für Kastenfahrzeuge, Anhängerbodenplatten aber auch als auch hochbeanspruchte Bodenplatten für Pritschen und schwere Nutzfahrzeuge zur Anwendung.

'''Schiffs- und Bootsbau:''' Wenngleich Schiffe und Boote heute zumeist aus Metall oder faserverstärkten Kunststoffen gebaut werden, spielt Holz an Bord nach wie vor eine wichtige Rolle.
Technische Teile: Sperrholz überzeugt als technischer Alleskönner: es beeindruckt durch hohe Biege- und Zugfestigkeit genauso wie durch Schlag- und Kerbschlagfähigkeit.

'''Bauwesen und Gebäudeausstattung:''' Das Bauwesen ist eines der bedeutendsten Anwendungsbereiche für Sperrholz. Je nach Art der Verleimung kommt es innen oder außen zum Einsatz für beispielsweise Schalungsbau, Innenausbau, in konstruktiver und flächiger Anwendung.

'''Möbelbau:''' Wie im konstruktiven Holzbau überzeugt auch im Möbelbau das günstige Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit. Sperrhölzer für den Möbelbau sind meistens nicht wasserfest verleimt und eignen sich vor allem für flächige Teile von Kastenmöbeln.

'''Bett- und Federleisten:''' Zum guten Liegen tragen moderne Bett-Unterbaukonstruktionen aus Sperrholz bei. Das flexible Material federt Bewegungen ab und stützt den Rücken.

'''Tür- und Fensterrohlinge:''' Vor allem bei Türfüllungen (z. B. in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit) sowie in der Zargen- und Rahmenfertigung werden Furniersperrhölzer oder Tischlerplatten eingesetzt. Dünne Furniersperrhölzer sind als dekorative Deckplatten beliebt.

'''Ski und Board:''' Viele Ski- und Snowboardfahrer wissen gar nicht, dass nahezu jeder Rennski und zahlreiche Snowboards einen Holzkern aus Schälfurnier haben. Sperrholz ist der ideale Werkstoff, wenn es darum geht, Leichtigkeit und Formstabilität miteinander zu vereinen.

'''Modell- und Werkzeugbau:''' Sperrholz wird in der Flugzeug- und Automobilindustrie vielfach zur kosten- und zeitsparenden ersten Modellfertigung künftiger Serienprodukte verwendet. Für Architekturmodelle ist Sperrholz ebenfalls ein gefragter Werkstoff. In Präsentationen, Wettbewerben oder Ausstellungen sind Modelle aus Sperrholz ansehnlich, strapazierfähig und standfest.

'''Klang und Musik:''' Tonmöbelhersteller verwenden häufig Sperrholz. Für hochwertige Lautsprechersysteme eignen sich insbesondere schwere Buchenholzfurnierplatten und Formsperrholz.

Wirtschaftliche Bedeutung

Gemessen an der Gesamtproduktion von Holzwerkstoffen macht Sperrholz mit ungefähr 1,5 % nur einen kleinen Teil aus. 2008 wurden in Deutschland 175.000 m³ Sperrholz produziert, davon etwas über 150.000 m³ Tischlerplatten (Stab- bzw. Stäbchensperrholz) und 22.000 m³ Furniersperrholz. In Europa betrug die Sperrholzproduktion im Jahre 2018 etwa 7,8 Mio. m³. Dieses wird im Baubereich (39 %) und für die Möbelherstellung (30 %) verwendet. Bei den übrigen Verwendungen spielen Transport und Verpackungen die Hauptrolle.

Literatur

  • André Wagenführ, Frieder Scholz: ''Taschenbuch der Holztechnik.'' Fachbuchverlag im Carl Hanser Verlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-446-22852-8, S. 127?259.

Weblinks

  • www.sperrholz-info.de
  • European Panel Federation (englisch)
  • , Victoria and Albert Museum

Einzelnachweise